Sexualpädagogische Arbeit mit Jungen

GruppeDurch die Unterstützung der Kirchengemeinde St. Theodor in Vingst haben wir die Möglichkeit, den Jungen und Mädchen der 7.+ 9.Klassen des Gymnasiums Kalk und der Katharina-Henoth-Gesamtschule in einem kleinen Gemeindesaal außerhalb der Schule ein spezielles Angebot zur Verfügung zu stellen.

Wir alle sind dort Gäste und bekommen ein kostenloses Frühstücksbuffet angeboten.

Gute Voraussetzungen, um in angenehmer Atmosphäre sich auf ein aufregendes Thema einzulassen. Geschlechter getrennt arbeiten meine Kollegin Frau Reichenbach mit den Mädchen und ich mit den Jungen.

Die Entscheidung, Jungen und Mädchen getrennt zu unterrichten, kommt deren Bedürfnissen sehr entgegen. Ohne die Bewertungen des jeweils anderen Geschlechts können wir in den gleichgeschlechtlichen Gruppen einfacher miteinander ins Gespräch kommen. Die Workshops sind von Toleranz und Respekt geprägt.

Die Faktoren Geschlecht und Herkunft spielen in unserer Arbeit bei der methodischen Umsetzung eine wichtige Rolle. Eine stimmige eigene Identität auszubilden schützt vor Risiken und Gefahren und schafft ein gutes Selbstwertgefühl.

Welche Erfahrungen konnten die überwiegend migrantischen Jungen durch mein methodisches Vorgehen in einer reflektierten geschlechtshomogenen Gruppe machen?

Mein Angebot:

  • schafft einen Schutzraum vor den Bewertungen der andersgeschlechtlichen Gruppe

  • kann auf die Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppe besser eingehen (Wunsch nach Bewegung, Action und Spaß)

  • schafft schneller untereinander Offenheit, damit auch persönliche Themen besprochen werden können (z.B.: Treue, Heirat, Homosexualität, Eifersucht)

  • fördert Verhaltensweisen, die sonst häufig der andersgeschlechtlichen Gruppe zugeordnet werden (z.B.: trösten, zuhören)

  • bietet Zeit für die Themen rund ums eigene Geschlecht (biologische Fakten, Penis, Vorhaut, Hoden, Prostata + Geschlechtskrankheiten)

  • ermöglicht Rollenvielfalt und schafft einen reflektierten Blick auf das eigene

Geschlecht vor dem Hintergrund unterschiedlicher Biografien

Herausforderungen

Das Wissen über Sexualität ist bei den Jungen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Und auch der Umgang der Jungen zeigt sehr unterschiedliche Verhaltensweisen. Gleichzeitig gibt es Jungen mit „obercoolem Machoverhalten“ bis „ruhige und unscheinbare“ Jungen.

Einige wenige Jungen sehen sich einem starkem Druck ausgesetzt, den religiösen oder kulturellen Normen einer oft sehr „konservativen“ Umgebung zu entsprechen.

Für mich ist wichtig, offen den Jungen gegenüber zu treten, dann spiegelt sich diese Toleranz nach meiner Erfahrung auch in der Gruppe.

Methoden

Der methodische Einstieg mit „Fragekarten“ am Anfang der sexualpädagogischen Einheit macht deutlich, dass es ganz viele Fragen rund um das Thema Sexualität gibt.

Bei so vielen Fragen ist es gut zu wissen, dass ich als „Doktor Sommer“ jede Frage ernst nehme und beantworte.

Beim „Liebespass“ geht es in Kleingruppen spielerisch um die Themenbereiche:

  • Körper

  • Lust

  • Kondom & Co

  • Beziehungsweisen

  • Risiken & Gefahren

Hier kann jede Kleingruppe ihr Wissen testen bzw. Aktionsaufgaben lösen.

Die Lust am Spiel und das Lösen der Aktionsaufgaben machen Spaß. Gleichzeitig lernt jede Kleingruppe sich gut abzusprechen, denn nur dann, wenn ich alle aus dem Team mit einbeziehe, kommen wir weiter!

Erfolge

Polarisierungen überwinden!

Diese besondere Atmosphäre der Jungengruppen schafft Offenheit und führt dazu, dass Haltungen und Einstellungen der Jungen kontrovers diskutiert werden können. Die Aufarbeitung von Vorurteilen gegen „die Deutschen“ oder „die Türken“ machen deutlich, wie wenig hilfreich dies im Umgang der Jugendlichen untereinander ist.

Es geht darum, aus den Potenzialen der „kulturellen Bindung“ und der „kulturellen Lösung“ eine eigene stimmige Identität aufzubauen.

Bei den Fragen der Identität, Partnerschaft, Zukunftsplanung/Elternschaft ist eine gute Kommunikation entscheidend. Die Jugendlichen erkennen: ein Austausch über Unsicherheiten ist sinnvoll, und er gelingt dann besser, wenn ich mir über meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse im Klaren bin und ich diese auch formulieren kann.

Theo Brocks, Sexualpädagoge

 

Über den Autor / die Autorin:
Theo Brocks
Autor: Theo Brocks
Sozialpädagoge

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