Neue Wege zu den Frauen finden

Wenn Frauen, Männer oder Paare nicht zur Beratung finden, müssen Berater und Beraterinnen zu ihnen kommen. Deshalb sind sie die Zielgruppe eines innovativen Beratungsansatzes von donum vitae e. V., der am 1. Mai 2019 unter dem Modellprojekt-Titel „HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“ gestartet ist. Berater und Beraterinnen sollen den Weg zu ihren Klienten und Klientinnen finden und sich flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse der  - vornehmlich weiblichen
- Zielgruppen einstellen. Dazu sollen sie neue Wege in der mobilen Beratung erschließen, neue Wege, sprachlich eine Brücke zu bauen, neue Wege in der digitalen Kommunikation alles, um den Zugang zu der Beratung, auf die alle Frauen ein Recht haben, möglichst niedrigschwellig zu gestalten. HeLB hat Frauen im Blick, denen aus vielerlei Gründen die Teilhabe am Hilfe- und Beratungssystem erschwert ist. Da sind zum Beispiel Frauen mit Migrationshintergrund, die sich nur schlecht im deutschen Gesundheitsund Beratungssystem zurechtfinden. Frauen mit einer psychischen bzw. Suchterkrankung, die keinen Weg aus der Sackgasse ihrer Nöte finden. Oder Frauen mit körperlichen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen, deren Mobilität eingeschränkt oder denen das Angebot der Schwangerschaftskonfliktberatung unbekannt ist.


Alle diese Gruppen werden von den herkömmlichen Angeboten der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung oft nicht erreicht. Angesichts der aktuellen Situation zu Zeiten der Corona-Pandemie ist der Weg in die Beratungsstellen zusätzlich erschwert.
Mit dem HeLB-Projekt stellt donum vitae sich der Herausforderung, neben der bewährten Präsenzberatung in den bundesweit mehr als 200 Beratungsstellen die „aufsuchende Beratung“ in unterschiedlichen Formaten weiterzuentwickeln
und in die weißen Flecken der Beratungslandschaft zu tragen. Dabei muss donum vitae nicht in jeder Hinsicht „das Rad
neu erfinden“, sondern kann Erfahrungen aus eigenen erfolgreichen Projekten einbringen.
Das Konzept der aufsuchenden Beratung wurde noch bis April 2019 im Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ erprobt. Es steht fest, dass sich dieses Beratungsformat dabei bewährt hat, die Zielgruppe der (schwangeren) Frauen mit Fluchterfahrung zu erreichen.
Im Modellprojekt „HeLB“ sollen die aus unterschiedlichen Gründen schwer erreichbaren Frauen und ihre Familien einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Angeboten der Schwangerschaftsberatung erhalten. Das Ziel:
Chancengerechtere Teilhabe an den Angeboten des Hilfe- und Beratungssystems für Frauen, die nur schwer den Weg in die Beratungsstellen finden.
Seit elf Jahren beraten speziell geschulte Online-Beraterinnen und Berater als bundesweites Netzwerk, derzeit über ein spezielles eMail-Programm mit SSL-Verschlüsselung und per Chat. Im HeLB-Projekt werden nun weitere
Beratungsformate wie die Videoberatung eingesetzt. Ergänzt werden die digitalen Lösungen durch die Entwicklung zusätzlicher Wikihow-Angebote (eine Website für Tutorials) und Erklärfilme, die bei Bedarf abgerufen und in Beratungsformate eingebunden werden können.
An 23 Pilotstandorten, die an donum vitae Beratungsstellen angegliedert sind, werden unterschiedliche Zugangswege wie aufsuchende, mobile und digitale Formate erprobt und weiterentwickelt. Alle digitalen Angebote erfolgen unter Beachtung der Datenschutzund Schweigepflichtvorgaben. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Es hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Donum vitae Köln befasst sich intensiv mit dem Projekt und wird die Ergebnisse in seine Arbeit einfließen lassen.

 

Über den Autor / die Autorin:
Hans_Ley
Autor: Hans_Ley
Mitglied in donum vitae Köln e.V.

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