Schwanger und fremd – Erfahrungen aus der Beratungsarbeit

Täglich treffen wir mit Menschen aus anderen Kulturen zusammen. Es ist also notwendig, sich immer wieder mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

 Kultur ist ein für eine Gesellschaft, Organisation oder Gruppe typisches und unverzichtbares Orientierungssystem. Sie beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder. Kultur umfasst Verhalten, Aussehen, kulturspezifisches Wissen, Gegenstände und eine ganz eigene Art, die Welt wahrzunehmen und zu bewerten.

Wie mag es wohl Menschen ergehen, die sich entschließen, in einem anderen Kulturkreis leben zu wollen oder zu müssen, weil der eigene Kulturkreis ihr Überleben nicht mehr sichert oder das eigene Leben/die Gesundheit sogar in Gefahr sind. Oder weil ihr eigener Kulturkreis ihnen plötzlich nicht mehr ausreichende Orientierungshilfen gibt.

zu GlueckskindWenn die Wände unserer Beratungsstelle berichten könnten von ihrer jahrelangen Zeugenschaft unseres Alltags, es würde sich ein riesiges Panorama auftun mit Tausenden ganz speziell berührender Einzelschicksale. Was diese verbindet: es geht immer, in irgendeiner Art und Weise, um das Thema Schwangerschaft.

 Auch am 6. September 2017 ereignete sich etwas innerhalb dieses Rahmens, zugleich aber sprengte es ihn komplett. In unserer Beratungsstelle kam ein Baby zur Welt!

Eine Klientin, Frau A., hochschwanger, war gegen Abend in einer dringenden Angelegenheit zu Frau Kitte-Fall gekommen und gerade wieder auf dem Weg nach draußen, als sich überraschend die Geburt ihres zweiten Sohnes ankündigte.

Neben der Konfliktberatung ist die allgemeine Schwangerenberatung ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit bei donum vitae. Täglich kommen Frauen, die eine Vielzahl an Fragen mitbringen.

 „Sie sind schwanger“…sagt der Test mit zwei kleinen Strichen. „Sie sind schwanger“ oder „Sie werden Eltern“ sagt der Arzt. Ab jetzt prasseln von allen Seiten Empfehlungen auf die werdende Mutter ein. Im Laufe der Schwangerschaft werden es immer mehr, so dass viele Frauen ganze „Baby-Ordner“ besitzen.

 Ein Ordner, der helfen soll, Überblick zu bewahren. Überblick? Worüber? Seit Jahrmillionen bringen Frauen Babys auf die Welt und das ohne Ordner.

reichenbachMein Name ist Annabell Sofie Reichenbach. Ich bin diplomierte Sozialarbeiterin und Sexualpädagogin und befinde mich derzeit in zusätzlichen Weiterbildungen im Bereich der Psychotherapie. Seit Sommer 2017 arbeite ich freiberuflich für donum vitae Köln in verschiedenen sexualpädagogischen Projekten.

Für donum vitae betreue ich zurzeit mehrere Schulen im Raum Köln, in denen ich Projekte für Mädchen im Alter ab etwa 12 bis 18 Jahren anbiete. Zusätzlich biete ich sexualtherapeutische Projekte für Frauen in der Justizvollzugsanstalt Köln an.

Das differenzierte Angebot der Pränataldiagnostik ist heute ein selbstverständlicher Bestandteil der Schwangerenvorsorge und alle schwangeren Frauen kommen damit in Berührung. Die Schwangeren stehen unter Umständen auch vor der Frage, welche pränatal diagnostischen Untersuchungen sie neben den im Mutterpass vorgesehenen Untersuchungen in Anspruch nehmen wollen, und wie sie nach einem auffälligen Befund damit umgehen wollen.

Man unterscheidet hier zwischen invasiven (Fruchtwasseruntersuchung und Chorionzottenbiopsie) und nicht invasiven Untersuchungen (Ersttrimesterscreening und die neuen Blutuntersuchungen). Da die invasiven Untersuchungen mit einem -wenn auch einem geringen- Risiko für das Kind einhergehen, stellt sich für die Schwangere und ihren Partner die Frage, ob sie dieses Risiko tragen wollen.

In meinem Studium der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule in Köln ist das 80 tägige Praxissemester ein wichtiger Bestandteil.
Nach meinem ersten Praktikum in einer Förderschule wollte ich nun den Bereich der Beratung besser kennen lernen. Mein Interesse an diesem Berufsfeld wurde vor allem durch ein Seminar der „systemischen Gesprächsführung“ geweckt.

Jetzt stellte sich lediglich die Frage, welcher soziale Bereich der Beratung es genau werden sollte.
Nach einer Recherche wurde mir schnell klar, dass der Bereich der Schwangerenberatung ein Feld sein könnte, in dem ich etwas über konfliktbezogene, psychosoziale und allgemeine Beratung lernen würde. Mein interessantes Bewerbungsgespräch bei donum vitae bestärkte mich in dieser Annahme, so dass ich mein Praktikum im September 2017 startete.

Fr.CelenkAbschied nehmen. Was heißt das genau? Wir verabschieden uns jeden Tag von Menschen. Wir sagen „Tschüss“ und „Bis bald“ und „Auf Wiedersehen“. In den meisten Fällen kommt es auch zu diesem Wiedersehen. Die Zeit zwischen diesem Abschied und dem Wiedersehen ist mal kürzer und mal länger. Doch was passiert, wenn es kein Wiedersehen mehr geben kann? Zumindest kein Wiedersehen mit unseren Sinnen, kein Sehen, kein Hören, kein Fühlen?

Fr.BarschKinder und Jugendliche sind heutzutage vielfältigen Einflüssen ausgesetzt, insbesondere durch die digitale Welt. Dies hat auch gravierende Auswirkungen auf ihre Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung. In sexualpädagogischen Projekten in der Erprobungsstufe (Klasse 5/6) wird dieser Aspekt in den Fokus genommen. Wie können Mädchen und Jungen in dieser schwierigen Lebensphase in ihrer individuellen Entwicklung begleitet und unterstützt werden?

Fr.Flink„Hurra! Ella ist endlich zu Hause!“ So erhielt ich eine Geburtsanzeige von Eltern, die während der Schwangerschaft sowie nach der Geburt von mir beraten und begleitet wurden. Auf der Rückseite der Karte stand geschrieben: „Hurra! Wir freuen uns sehr, dass Ella nach 133 Tagen in der Uniklinik Köln endlich zu Hause ist!“ Meine spontane Reaktion darauf: „Auch ich freue mich, dass Ella es geschafft hat, nach Hause zu kommen.“

Das Ehepaar Müller (Name geändert), Frau Müller 36 Jahre und Herr Müller 38 Jahre alt, kamen in der 14. Schwangerschaftswoche zu mir in die Beratung. Frau Müller war das erste Mal schwangerund sollte Zwillinge bekommen.In der 13.Schwangerschaftswoche war es unerwartet zu einem Blasensprung gekommen. Wenn es in einer frühen Schwangerschaftswoche zu einem Blasensprung kommt, kann dies oft bedeuten, dass eine Fehlgeburt eintritt. Seitens der Ärzte wurde eine schlechte Prognose für die Entwicklung und das Überleben der Kinder gestellt. Ursachen für eine Frühgeburt können beispielsweise Störungen an der Gebärmutter oder der Plazenta, ein vorzeitiger Blasensprung, Wachstums-, Entwicklungs- und Versorgungsdefizite, eine Infektion im Genitalbereich, Mehrlingsschwangerschaften, oder Fehlbildungen beim Ungeborenen sein. In den vergangenen Jahren hat sich die Medizin stets weiter entwickelt und die Behandlungsmöglichkeiten von Frühchen haben sich extrem verbessert.

Fr.KitteBeratung bei unerfülltem Kinderwunsch

Laut Allensbacher Institut sind etwa 1,5 Mio. Menschen in Deutschland vorübergehend oder permanent von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Wir Beraterinnen werden in den letzten Jahren zunehmend mit dieser Problematik konfrontiert. Deshalb beschloss unser Vorstand, dieses Thema als besonderes Beratungsangebot in unseren Aufgabenkatalog aufzunehmen.

Ich hatte die Gelegenheit, mich in einer drei mal dreitägigen Weiterbildung intensiv mit dem Thema zu befassen. Diese Weiterbildung, die mit einer Zertifizierung einhergeht, wird vom Bundesnetzwerk Kinderwunschberatung in Deutschland (BKiD) mit Sitz in Heidelberg angeboten.

In unserer Stadt Köln mit all ihren Stadtteilen erleben wir seit jeher eine kulturelle Vielfalt, die unsere bunte Gesellschaft widerspiegelt. Die Menschen und Familien, die hier leben, sind vielfältiger Herkunft, verschiedener Religionen, unterschiedlicher Hautfarbe. Uns allen gemeinsam ist die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit und Sicherheit. Das ist der legitime Wunsch jedes Menschen.

Wir, der Vorstand und das Team von donum vitae Köln e.V., wünschen uns ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, die in unserer Stadt eine Heimat haben oder suchen. In unserer pluralen Gesellschaft gehört es dazu, unterschiedliche Wertvorstellungen zu haben. Auf dieser Basis kann man sich begegnen, auch streiten - mit gegenseitigem Respekt und immer auf der Grundlage unseres Grundgesetzes. Dazu gehört auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wir lehnen jede Form von Intoleranz und Rassismus ab. Wir begrüßen in unserer Stadt eine weltoffene, friedliebende, annehmende und wohlwollende Atmosphäre. Wir hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleibt, und arbeiten mit daran.  

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